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marschbefehl 07.november 2009

Gedenken im Schatten der Grippe

Am 11.November ist der Jahrestag des Waffenstillstands 1918. Zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs 1914-1918 führt Rost & Grünspan seit dem Jahr 2000 einen Gedenkmarsch in Uniformen der Grenzbesetzung vom Chessiloch in Grellingen zum Wehrmännerdenkmal am Amtshausplatz in Laufen durch.

Der Marsch wird am 07. November 2009 unter Leitung unseres Obmanns in Offiziersfunktion durchgeführt. Aufgeboten sind alle Mitglieder von Rost & Grünspan die sich der Epoche der Grenzbesetzung 1914-1918 verbunden fühlen. Zugelassen sind Uniformen der Ordonnanzen 1898. Der Marsch führt ab Grellingen über eine Distanz von 7,4 Kilometer.

Stab des Infanterie-Regiments 8 in Laufen 1915:


laufen 1915

Posten Chessiloch 1914-1918

Als der Erste Weltkrieg 1914 ausbrach, traf die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich nicht wie heute bei Basel sondern noch beim Pruntruter Zipfel auf die Schweizer Grenze. Dort kämpften während des Krieges die Gegner in den Schützengräben, und dort musste die Grenze besonders gut bewacht werden.

Eine sehr wichtige Versorgungslinie für die Schweizer Truppen auf Grenzwache im Pruntruter Zipfel war die Eisenbahnlinie von Basel nach Delemont. Diese war am verwundbarsten bei den Brücken im Chessiloch, weshalb dort während des ganzen Krieges Truppen lagen um die strategisch wichtige Bahnlinie zu bewachen.

Wehrmänner aus nahezu allen Kantonen der Schweiz hatten im Chessiloch Dienst getan. Nachdem sich eine Einheit an der Felsenformation mit einer Wappenmalerei verewigt hatte, folgten diesem Beispiel andere. Bei Kriegsende 1918 zeugten die bemalten Felsen im Chessiloch von all jenen Truppen die dort auf Wache standen.

Die mehrfach renovierten Malereien sind noch heute erhalten und berichten von schweren Zeiten, in denen eine neue Art von Krieg, mit Stacheldraht, Maschinengewehren und Giftgas. um die Schweiz herum wütete, und als 1918 die verheerende Spanische Grippe auch in der Schweiz tausende von Menschenleben forderte.

Bericht eines Sanitätskorporals von der Grippe-Pandemie 1918

Der Feldprediger hat eben einen jungen Füsilier in Zimmer C besucht. Es besteht kaum Hoffnung. Sein Unteroffziersposten hat nun drei Fälle Grippe zu verzeichnen, er war der erste. Bereits fieberkrank war er letzte Woche noch mit dem umgehängten Gewehr hinaus in die Nacht zur Ablösung gezogen. Kaum hatte er die Wache von seinem Kameraden übernommen, sank er besinnungslos in den Schnee. Als die nächste Wache aufzog hatte bereits fallender Schnee begonnen ihn zu bedecken.

Der Wachtmeister und zwei Mann eilten und schleppten den Kranken aus der Kälte. Im Kantonnement mühten sich zwei Kameraden mit der Wärme des Ofens und gar ihres eigenen Leibes dem ohnmächtigen Kameraden die Kälte aus dem Leib zu treiben. Sie wussten um die Gefahr der Ansteckung und achteten ihrer nicht. Welch todesverachtende Kameradenhilfe wie man sie auf dem Schlachtfeld nicht schöner fände. Einer dieser Samariter liegt nun selbst in Agonie ein Zimmer weiter - seine angereiste Gattin wacht Tag und Nacht an seinem Sterbelager.

Ebenso schwer wiegt daneben die Pflegebereitschaft unserer Sanitätssoldaten und der Schwestern die unermüdlich zwischen den Bettreihen umhergehen um den Kranken ihr Los zu erleichtern. Nicht wenige dieser Tapferen sind selbst dabei von der Grippe befallen worden. Einen Sanitätler aus der zugeteilten Kompagnie verloren wir gestern. Schrecklich zu sehen wie seine Schwester und die Eltern dem Sarg folgten, der mit dumpfem Trommelschlag und Ehrengeleit den letzten Weg ging.

Die Schrecken des Krieges sind uns erspart geblieben, doch jetzt reicht uns das Schicksal dennoch den bitteren Kelch, und ohne Kugeln und Granaten fallen unsere Wehrmänner auf ihren Posten stehend. Und jene die verschont bleiben leiden ungleich mehr, denn wenn der Krieg nur die Soldaten verschlingt so würgt der Todesengel der Grippe auch unter dem Volk. Wer weiss dieser Tage noch, ob seine Lieben daheim nicht bereits mit dem Tode ringen, während er seine Pflicht tut und auf Wache zieht.


Das renovierte Laufentaler Wehrmännerdenkmal:


denkmal

Wichtige Informationen für unsere Marschteilnehmer:

Treffpunkt 07.30 Uhr beim Bahnhof Grellingen, wo auch die meisten unserer Autos zurückbleiben. Der Marsch führt bis Laufen, wo auf dem Parkplatz vor der Stadt ab 11.15 Uhr unsere Logistik mit einer Zwischenverpflegung wartet, und wo wir Pause machen. Dort üben wir auch die Zeremonie am Denkmal.

Für den Marsch ist gut eingelaufenes militärisches Schuhwerk notwendig. In den Schuhen zwei Paar Socken tragen, was die Haut schont und der Blasenbildung entgegenwirkt. Nach der Pause folgt die Zeremonie am Wehrmännerdenkmal. Dazu hat der Stadtrat von Laufen die Genehmigung erteilt. Der Anlass ist ernst, wir erwarten würdiges Auftreten.

Unser Zug kann der Tradition folgend um 11.55 Uhr durch das Baslertor die Stadt Laufen betreten und entlang der Hauptstrasse zum Amtshausplatz zum frisch sanierten Wehrmännerdenkmal ziehen. Dort findet wie üblich um 12.00 Uhr die stille und schlichte Gedenkzeremonie mit Blumenniederlegung mit Schildwache statt.

Zeitangaben auf einen Blick:

- ab 07.30 Uhr: Eintreffen auf dem Parkplatz Bahnhof Grellingen
- 08.00 Uhr: Abmarsch ab Bahnhof Grellingen
- 11.00 Uhr: Eintreffen Parkplatz Laufen
- 11.50 Uhr: Bereit zum Einmarsch vor dem Baslertor Laufen
- 12.00 Uhr: Gedenkzeremonie beim Wehrmännerdenkmal am Amtshausplatz
- 12.15 Uhr: Truppe zieht vom Denkmal ab


Allgemeines Material:

- blaue Feldbluse Ordonnanz 1898
- Kaput Ordonnanz 1898
- Ordonnanzhose 98
- Nagelschuhe
- Tschako Ordonnanz 1898 mit orangem Pompon
- Tarnbezug Modell 1914 Grau
- Ceinturon
- Gabeltragriemen
- Patronentaschen Ordonnanz 1898 oder 1911
- Dolchbajonett 1899 mit Frosch

Spezielles Material:

- Sanitätertasche für Sanitäter
- Labeflasche für Sanitäter
- Faschinenmesser für Sanitäter
- Blauer Pompon für Sanitätstschako
- Truppenfahne Rost & Grünspan
- Bandulier für Fähnrich
- Lederhandschuhe für Fähnrich

Packung:

- Tornister Ordonnanz 1898 für Infanteristen
- Sanitätstornister für Sanitäter
- Gamelle Ord.98 (wenn nicht anders möglich Ord.14)
- Lederbrotsack
- Schanzspaten mit Lederfutteral für Mannschaften
- Axthaue mit Lederfutteral für Unteroffizier
- Drei lederne Packriemen
- Zusatzpatronentasche Ord.1914 (sofern verfügbar)

Bewaffnung:

- Mannschaft: Langgewehr Ordonnanz 96/11 oder 11
- Offizier: Pistole 06 (Theaterattrappe) mit Holster

Material des Offiziers:

- Feldbluse Ordonnanz 1898
- Reithose
- Reitstiefel
- Offizierstschako Ordonnanz 1898
- Tarnbezug Modell 1914 Grau
- Feldstechertasche
- Offizierssäbel mit Schlagband
- Lederhandschuhe




>>Impressionen vom Chessilochmarsch 2008

>>Impressionen vom Chessilochmarsch 2007

>>Impressionen vom Chessilochmarsch 2006

>>Impressionen vom Chessilochmarsch 2005

>>Kurzfilm zum Chessilochmarsch 2006 (Quicktime-Datei, 15,3 MB)

>>Impressionen vom Chessilochmarsch 2004


Bericht zum 8. November 2008 auf SF Schweiz Aktuell:






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